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Norbert Sillmanns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

07/20/20

Hendrik Streeck Interview FAZ vom 16.07.2020 „Wir brauchen Szenarien für den Fall, dass es keinen Impfstoff geben wird“ Patrick Schlereth

 

 

 

„Wir brauchen Szenarien für den Fall, dass es keinen Impfstoff geben wird“

Patrick Schlereth

Hendrik Streeck ist Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.

Herr Streeck, Union Berlin will in der neuen Saison wieder im vollen Stadion spielen. Alle Besucher sollen zuvor einen Corona-Test absolvieren. Ähnliche Konzepte werden in der Veranstaltungsbranche diskutiert. Was halten Sie aus medizinischer Sicht davon?

Halten Sie es für möglich, dass der Gesetzgeber solche Massentest-Veranstaltungen perspektivisch erlaubt? Oder ist die Angst vor lokalen Ausbrüchen zu groß?

 

Wenn der Gesetzgeber solche Ansätze, bei denen die Veranstalter ja auch mitdenken, kategorisch ablehnt, dann muss man auch klar sagen, dass solche Veranstaltungen verboten bleiben. Letztlich muss es eine Richtschnur geben, wie man verschiedene Bereiche der Öffentlichkeit wieder zum Leben erweckt. Da setze ich darauf, dass auch die politischen Entscheider mit einem pragmatischen Blick an neue Ansätze herangehen.

 

Wie zuverlässig sind Schnelltests überhaupt? Ein neuer Test der Uni Bielefeld soll schon nach 16 Minuten ein Ergebnis liefern, was Begehrlichkeiten bei Veranstaltern weckt.

 

Wissenschaft liefert keine Schwarzweiß-Antworten. Jeder Test hat einen Fehlerbereich, kann falsch positiv oder falsch negativ ausfallen. Das passiert natürlich häufiger, wenn wir in einem Niedrigprävalenzgebiet sind. Das sind statistische Fallstricke, in die man sich da begibt. Die Schnelltests sind häufig auf PCR-Basis, was eine gewisse Präzision garantiert, haben aber den Nachteil, dass sie im Labor durchgeführt werden müssen. Das gilt auch für den Test der Uni Bielefeld, der kann nicht einfach „on the go“ gemacht werden. Eine größere Hoffnung habe ich in Tests zur Erkennung von Antigenen, in denen man das Virus selbst bereits im Abstrich nachweisen kann.

 

 

Biotechunternehmen CureVac Corona-Impfstoff soll bis Mitte 2021 marktreif sein

 

 

Video: Reuters, Bild: dpa

 

Was bedeutet das für das Restrisiko solcher Schnelltests?

 

Solche absoluten Aussagen lassen sich nicht treffen. Es kommt zwar sehr selten vor, aber rein theoretisch kann ein Test beim ersten Abstrich positiv, beim nächsten negativ und dann wieder positiv sein. Das ist nicht wie ein Schwangerschaftstest, der eindeutiger angibt, ob jemand schwanger ist oder nicht. So funktionieren diese Tests nicht. Um es überspitzt zu formulieren: Man kann sich im Testzentrum anstecken und zwei Tage später infektiös sein. Daher muss man auch Massentests ein wenig kritisch sehen, weil sie ein trügerisches Gefühl von absoluter Sicherheit vermitteln können.

 

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Solche Massentest-Konzepte sollen die Zeit überbrücken, bis der Impfstoff da ist. Aber was ist, wenn der gar nicht kommt oder nicht so gut wirkt wie erhofft?

 

Es ist wichtig, auch Szenarien zu entwerfen für den Fall, dass es vielleicht keinen Impfstoff geben wird. Diese Annahme basiert auf der Tatsache, dass man bisher für keines der verschiedenen Coronaviren einen Impfstoff gefunden hat. Das gleiche gilt auch für die größten infektiologischen Killer der Welt: Malaria, Dengue, Tuberkulose, HIV. Genauso für Influenza müssen wir in jedem Jahr einen neuen Impfstoff entwickeln. Es gibt keinen Universalimpfstoff. Wir werden es in der Bevölkerung nicht schaffen, alle Sars-CoV-2 Infektionen zu unterbinden, und es stellt sich die Frage, ob das überhaupt sinnvoll und notwendig ist.

 

Warum?

 

Viele Daten zeigen bereits, dass die große Mehrheit einen milden bis asymptomatischen Krankheitsverlauf hat. Dies wissen wir bereits seit den ersten Daten aus der chinesischen Metropole Shenzhen, wo 80 Prozent der Infizierten einen milden Krankheitsverlauf hatten. Wir müssen Maßnahmen für jene finden, die einen schweren Verlauf haben, und genau diese Menschen schützen. Weltweit werden wir die Pandemie nicht durch die Unterbrechung der Infektionsketten, Testungen und Quarantäne beenden können, wir können sie damit nur kontrollieren. Wir müssen aber einen Weg finden, mit diesem Virus zu leben.

 

Neue Berichte über das Risiko einer zweiten Infektion schüren Ängste. Wie lange halten die Antikörper? Ist man weniger immun nach einem milderen Krankheitsverlauf?

 

Nur weil die Antikörper verloren gehen, muss nicht die Immunität komplett verloren gehen. Auch wenn wir dieses neuartige Coronavirus noch nicht so gut einschätzen können: Wir kennen die anderen Coronaviren, die bei uns heimisch sind. Dort haben wir eine Immunität im ersten, vielleicht noch im zweiten Jahr, dann infizieren wir uns wieder. Es gibt aber auch eine T-Zellen-Immunität. Die schützt uns nicht vor einer Infektion, mildert aber den Krankheitsverlauf. Und genau da müssen wir hin: Sars-CoV-2 könnte am Ende mit einer leichten Erkältung vergleichbar sein, die wir nicht einmal bemerken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich jeder von uns einmal in seinem Leben mit einem Coronavirus infiziert. Einem anderen, nicht diesem hier.

 

In Deutschland ist Ferienzeit, auch wenn viele Leute nur innerhalb des Landes verreisen. Was bedeutet das für die Gefahr einer zweiten Welle oder einer Rückkehr zu Einschränkungen?

 

Der Begriff „zweite Welle“ ist irreführend. Er impliziert, dass wir die erste Welle abgeschlossen haben, und die zweite viel schlimmer wird. Wir müssen realisieren, dass das Virus hier ist und nicht mehr weggehen wird, dass wir es gewissermaßen mit einer Dauerwelle zu tun haben. Die Urlaubszeit kann ein besonderes Risiko bergen, muss sie aber nicht. Im Sommer ist die Ausbreitung eher asymptomatisch im Vergleich zum Winter. Unser Ziel kann es nicht sein, das Virus auszutreiben. Das wird nicht möglich sein.

 

Eine Studie der Uniklinik Dresden legt nahe: Die Verbreitung unter Kindern wurde bisher überschätzt. Können Schulen und Kindergärten wieder zum Alltag übergehen?

 

Eigentlich reicht bereits ein Blick in die Niederlande. Dort hat die Öffnung der Kitas nicht zu einem Clustereffekt geführt, und das waren immerhin einige hunderttausend Kinder. Natürlich gibt es andere Berichte, etwa aus Israel, aber insgesamt scheint der Schulunterricht kein Superspreading-Event zu sein. Virologisch ist damit alles gesagt. Die Frage von Schulöffnungen liegt in meinen Augen eher bei Soziologen, Psychologen und Kinderärzten sowie den Lehrerverbänden und der Politik. Denn es hat gravierende Auswirkungen, wenn ein Kind seine Freunde im Kindergarten nicht mehr anfassen und in der Schule nicht mehr lernen darf.

 

Zum Dank für ihre Ratschläge sehen sich Virologen in diesen Zeiten oft Anfeindungen ausgesetzt. Braucht die Öffentlichkeit ein neues Verständnis davon, wie Wissenschaft funktioniert?

 

Bei mir überwiegen positive Zuschriften. Problematisch wird es dann, wenn unterstellt wird, wir verfolgten eine geheime Agenda. Wir leben in der gleichen Pandemie und wollen alle das gleiche, nämlich dass wir als Gesellschaft gemeinsam gut durchkommen. Meinungsverschiedenheiten würden Christian Drosten und ich normalerweise gemeinsam am Tisch diskutieren und das war’s. Von außen wird das oft zum Skandal aufgebauscht, wie man miteinander umgeht. Es gibt in der Wissenschaft nicht die richtige und die falsche Meinung. Es liegt nicht ein Einzelner richtig, meist liegt die Wahrheit im Mittelweg. Aus dieser Dialektik entwickelt sich die wissenschaftliche Arbeit.

06/07/20

Prof.Dr.John Ioannidis (Stanford University) „Perspectives on the Pandemic“

Virologe Streeck: "Über den Sommer mehr Mut erlauben; Streeck will Immunität in der Bevölkerung aufbauen &quot

Quelle: WDR aktuell Stand: 07.06.2020, 12:23

Wenn es nach dem Bonner Virologen Hendrik Streeck geht, könnte es bald noch mehr Lockerungen geben. Der Deutschen Presse Agentur sagte er, während des Sommers könne eine Teilimmunität in der Bevölkerung aufgebaut werden, die dann den weiteren Verlauf der Pandemie abschwäche. "Wir sollten uns über den Sommer ein bisschen mehr Mut erlauben", so Streeck.

Derzeit zeigten Studien, dass bis zu 81 Prozent der Infektionen asymptomatisch verliefen. Das heißt, die Infizierten haben keine oder kaum Symptome. "Die Zahl der Covid-19-Erkrankten auf den Intensivstationen ist derzeit rückläufig", sagt Streeck. Die Hoffnung auf einen Impfstoff könne sich als trügerisch erweisen. Also solle man sich darauf einstellen, mit dem Virus zu leben.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

 

Prof. Hendrik Streeck: „Im Zentrum der Studie steht die Infection Fatality Rate (IFR), die den Anteil der Todesfälle unter den Infizierten angibt. Aus den Daten wurde weltweit erstmalig errechnet, dass die IFR von SARS-CoV-2 bei 0,37% liegt. Je nach mathematischen Korrekturverfahren schwankt sie zwischen 0,24% und 0,43%. Bei etwa 15 Prozent aller untersuchten Personen wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die bisher bekannte Infektionsrate in der Gemeinde Gangelt lag bei 3%. Dies bedeutet, dass fünf Mal so viele Personen in der Gemeinde Gangelt infiziert waren, wie ursprünglich ermittelt. Es wurden neben Einzelpersonen auch Haushalte untersucht um herauszufinden, ob es einen Familienclustereffekt gibt. Die Studie zeigt, dass wenn ein Haushaltsmitglied infiziert ist, die Infektionswahrscheinlichkeit für eine weitere Person abhängig von der Haushaltsgröße über dem durchschnittlichen Infektionsrisiko von 15% liegt, z.B 20% darüber bei 3-Personen Haushalten. Die Infektionsraten sind bei Kindern, Erwachsenen und Älteren sehr ähnlich und hängen offenbar nicht vom Alter ab. Außerdem gibt es in der Studie Hinweise, dass es zu schwereren Krankheitsverläufen kam, wenn die Personen Karneval gefeiert haben.“

 

Quelle: https://www.uni-bonn.de/neues/111-2020

 

Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stehen dem nicht entgegen.Lesen Sie das gesamte Dokument durch Klick auf die Überschrift

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki: "Die Kanzlerin bewegt sich am Rande der Amtsanmassung" - DER SPIEGEL

22.04.2020, 18:39 Uhr

FDP-Vize Kubicki

Philipp von Ditfurth/ dpa

 

Die Runden der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder sind zum zentralen Entscheidungsorgan der Politik in der Coronakrise geworden. Dabei ist in der Verfassung ein solches Gremium mit keinem Satz erwähnt. Auf welcher Rechtsgrundlage koordinieren Angela Merkel und die Bundesregierung die Maßnahmen der Bundesländer zur Eindämmung des Coronavirus, wollte daher FDP-Vize Wolfgang Kubicki vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags wissen.

 

Das Gutachten, das seit Mittwoch vorliegt, kommt zu dem Schluss, dass sich die Bundesregierung in der Coronakrise Kompetenzen angeeignet habe, die die Bundesländer entmachten und damit der föderalen Ordnung widersprechen.

 

Die Autoren verweisen unter anderem auf Artikel 65 des Grundgesetzes. Darin wird die sogenannte "Richtlinienkompetenz" der Bundeskanzlerin geregelt. Hieraus folge nur eine Befugnis, Bundesministern Rahmenvorgaben zu machen. "Gegenüber den Ländern entfaltet diese Vorschrift keine Wirkung", heißt es in dem Gutachten.

 

 

Ähnlich verhält es sich den Gutachtern zufolge mit Artikel 84 des Grundgesetzes. Demnach kann der Bundesregierung durch ein Bundesgesetz, dem der Bundesrat zustimmen muss, die Befugnis verliehen werden, zur Ausführung eines Gesetzes für besondere Fälle Einzelweisungen zu erteilen. Das Infektionsschutzgesetz enthalte allerdings, so die Ansicht der Bundestagsjuristen, keine Einzelweisungsbefugnisse. Sie kommen daher zu dem Schluss, dass das Instrument der Einzelweisung "zur grundsätzlichen und umfassenden Koordinierung der bundesweiten Maßnahmen kaum einschlägig sein dürfte".

 

Merkel hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach mit den Ministerpräsidenten zusammengeschaltet, um das Vorgehen in der Coronakrise zu besprechen. Die Runde fasste dabei einhellige Beschlüsse über bestimmte Maßnahmen im Kampf gegen das Virus. Diese hatten aber zumeist den Charakter von Leitlinien, deren konkrete Umsetzung dann in den Ländern erfolgte.

 

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe gegenüber den Ländern kaum Befugnisse, heißt es in dem Gutachten. Sein Ministerium könne gemäß Paragraf 5 Absatz 6 des Infektionsschutzgesetzes in einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite Empfehlungen abgeben, um ein koordiniertes Vorgehen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland zu ermöglichen. Dabei kann es sich auf das Robert Koch-Institut berufen.

 

Dadurch werde die Kompetenz der Bundesländer zur landeseigenen Verwaltung im Bereich des Infektionsschutzes aber "nicht eingeschränkt", so das Gutachten. Ein "verbindliches Weisungsrecht" des Robert Koch-Instituts gegenüber Behörden der Bundesländer lege das Infektionsschutzgesetz nicht fest.

 

"Die Bundeskanzlerin bewegt sich bei der Bewältigung der Corona-Epidemie am Rande der Amtsanmaßung", sagte Bundestagsvizepräsident Kubicki dem SPIEGEL. "Das Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes stützt meine Rechtsauffassung." Weder habe Merkel die rechtliche Befugnis zur Koordinierung der grundrechtseinschränkenden Maßnahmen noch könne sie in diesem Zusammenhang Weisungen aussprechen. Ihre Richtlinienkompetenz gelte nicht gegenüber den Bundesländern.

 

Allerdings seien die Regierungschefs der Länder auch selbst für ihre Entmachtung verantwortlich. "Die Frage stellt sich, warum die Ministerpräsidenten einen solchen Eingriff in den eigenen Kompetenzbereich durch die Bundeskanzlerin zulassen", sagte Kubicki. "Eigentlich wäre es vornehmste Aufgabe des Bundesratspräsidenten, diese Führungsaufgabe zu übernehmen." Den Vorsitz der Länderkammer hat zurzeit der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) inne.

 

Für manche sei es vielleicht wünschenswert, so Kubicki, wenn die Bundesländer möglichst gleiche Regelungen beschließen würden. "Das Bundesverfassungsgericht hat allerdings kürzlich noch einmal festgestellt, dass es auch regional angepasste Maßnahmen geben muss, um die Grundrechtseinschränkungen so gering wie möglich zu halten." Ob die Eindämmung des Virus erfolgreich sei, hänge nicht davon ab, dass überall dieselben Maßnahmen gelten. "Bundesweite Einheitlichkeit ist kein infektionsschutzrechtliches Kriterium", betonte Kubicki.

Kliniken-Verband schlägt Alarm wegen Corona-Regeln

Tomas Kittan 17. April 2020 17:27

Bei den angekündigten Corona-Lockerungen wurden die Kliniken vergessen. Deshalb schlägt jetzt der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Alarm!

 

„Wir brauchen eine schrittweise Wiederaufnahme der Regelversorgung“, fordert Dr. Gerald Gaß (56) in der B.Z. „Wir erwarten von der Bundeskanzlerin, die drastisch zurückgestellten Klinikbehandlungen wieder aufnehmen zu dürfen.“ Das ist auch dringend nötig, wie Zahlen und Fakten von Gaß veranschaulichen.

 

► Mehr als 50 Prozent aller deutschlandweit geplanten Operationen wurden abgesagt, sind aber nötig. Der OP-Stau geht in die Tausende! Gaß: „Eine Weile kann man verschieben, aber nicht dauerhaft.“

 

► Nach den Informationen des DKG-Präsidenten melden sich beim Rettungsdienst 30 bis 40 Prozent weniger Patienten mit Herzinfarkt und Schlaganfall. Gaß: „Und zwar nicht, weil es weniger Erkrankte gibt, sondern weil viele Angst vor Corona haben.“

 

► Gaß betont: „Es drohen Menschen zu sterben, weil sie wegen Corona nicht rechtzeitig behandelt werden.“

 

► Es gibt Belegungsrückgänge in den Kliniken von 30 Prozent. Gaß: „Wir haben 150.000 freie Krankenhausbetten und rund 10.000 freie Intensivbetten.“

 

► In Berlin sind nur 68 ITS-Betten mit Corona-Patienten belegt, 60 davon werden beatmet. Dem stehen 341 leere ITS-Betten gegenüber. Gaß: „Die Berliner Notklinik mit 1000 Betten in den Messehallen wird aktuell nicht gebraucht.“

 

► Gaß stört, dass als Experten zu häufige nur RKI-Präsident Lothar Wieler und Charité-Virologe Christian Drosten gehört werden. Er sagt: „Wir brauchen einen viel breiteren öffentlichen Diskurs“.

 

TOMAS KITTAN

Berliner Zeitung

Vom17. April 2020

 

05/13/20

Helge Schneider

11.04.2020 · Prof.Klaus Püschel sieht Auffälligkeiten

Rechtsmediziner untersucht Corona-Tote und berichtet von Auffälligkeit

Die Obduktion von Covid-19-Toten kann wichtige Erkenntnisse über die Krankheit bringen. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / KatarzynaBialasiewicz

 

Das Coronavirus greift weiter um sich. Mehr als 90.000 Menschen sind mittlerweile nach einer Infektion mit dem neuartigen Virus gestorben. Alleine in Deutschland starben mehr als 2000 Corona-Infizierte.

 

Einige der Toten kamen nach ihrem Ableben zu Klaus Püschel. Er ist Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Seine Aufgabe ist es, die Corona-Toten zu obduzieren. Doch: Warum macht man das überhaupt? Schließlich ist klar, dass der Tod der Infizierten in Zusammenhang mit Covid-19 steht.

 

"Wenn man die Krankheit in ihrer Gesamtheit und die Auswirkungen der therapeutischen Maßnahmen erfassen will, dann ist die Untersuchung der Todesopfer das beste Mittel. Auch andere Krankheiten haben wir erst umfassend verstanden, als wir auch die Toten gründlich untersucht haben", sagte der Rechtsmediziner im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Mittwoch.

 

Die Erkenntnisse, die Püschel bei seinen bisherigen Untersuchungen gewonnen hat, sind durchaus spannend.

 

"Sehr viele Todesursachen" im Zusammenhang mit Corona

 

"Festgestellt haben wir erst mal, dass die Todesursachen sehr unterschiedlich sind. Es gibt nicht 'den' Corona-Toten, wie es die Statistik suggeriert", sagte Püschel der "FAZ". Stattdessen gebe es "sehr viele Todesursachen" im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Es sei klar festzustellen, dass die Vorkrankheiten eine sehr wesentliche Rolle für den Verlauf der Krankheit spielten, so der Rechtsmediziner.

 

In Hamburg seien die Verstorbenen bislang ausnahmslos multimorbide gewesen: Sie litten also an mehreren Krankheiten gleichzeitig, häufig an schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge oder des Herzens, zum Teil auch an Krebs. Außerdem sind die Toten schon älter. Das deckt sich mit den Angaben des Robert-Koch-Instituts: Im Schnitt waren die Verstorbenen in Deutschland bislang 80 Jahre alt. Ganze 86 Prozent der Verstorbenen waren RKI-Angaben zufolge 70 Jahre und älter.

 

Seine Erkenntnisse teilte der Rechtsmediziner auch am Donnerstagabend bei Markus Lanz mit. Der ZDF-Moderator wollte wissen: "Sterben Menschen an oder mit Corona?"

 

Und Püschel erklärte seine Sicht: "Die Menschen denken, die Infektion ist eine tödliche Gefahr. Ich bin davon überzeugt, dass statistisch gesehen am Ende dieses Jahres die Krankheit keine Rolle spielt. Wir schreiben das jetzt diesem Virus zu."

Rechtsmediziner beobachtet "ungewöhnlich viele Thrombosen und Lungenembolien" bei den Verstorbenen

 

Der "FAZ" erklärte Püschel weiter: "Den typischen Verlauf mit einer Atemwegsentzündung und einer Lungenentzündung durch das Virus sehen wir nur sehr vereinzelt." Die meisten Fälle seien Mischformen, bei denen auch weitere Infektionen eine große Rolle spielten.

 

Eine spannende Beobachtung dabei: "Was zahlenmäßig auffällt, sind ungewöhnlich viele Thrombosen und Lungenembolien. Die Corona-Infektion hat also nicht nur eine Auswirkung auf die Atemwege und das Lungengewebe, sondern vermutlich auch auf andere Organsysteme. Speziell auf das System der Blutgerinnung und die Innenhaut der Blutgefäße. So, dass es zu Thrombosen kommt und wenn diese sich ablösen, führt es zu Embolien der Lunge."

 

"Gefahr des Ausbildens von Blutgerinnseln wird bei uns jetzt klinisch beachtet"

 

Zwar brauche es hierzu noch weitere Untersuchungen. Aber in Hamburg habe man bereits Konsequenzen aus den Erkenntnissen der Rechtsmediziner gezogen: "Zumindest die spezielle Gefahr des Ausbildens von Blutgerinnseln wird bei uns jetzt klinisch beachtet und die Patienten bekommen eine besondere vorsorgliche Therapie, um das Blutgerinnungssystem und die Situation im Bereich der Gefäßinnenhäute im Griff zu behalten, um tödliche Lungenembolien zu vermeiden", sagte Püschel.

 

Angesichts dieser wertvollen Erkenntnisse kritisierte der Rechtsmediziner das RKI: "Der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, Obduktionen eher zu vermeiden wegen der Infektionsgefahr, kann ich daher nichts positives abgewinnen." Denn die Untersuchung der Toten sei "der Goldstandard der Qualitätssicherung mit Blick auf die klinische Therapie".

 

(hau) Watson

Wie das Bulletin des Robert-Koch-Institutes vom 15.04.2020 zeigt, sind alle von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen wirkungslos! Eine Abflachung der Kurve bezüglich der Basisreproduktionszahl ist bereits deutlich vor den Maßnahmen zu erkennen.

 

Schauen Sie dazu bitte auf Seite 5 des Dokumentes die Abbildung 4 an.

(Bezogen auf die Gesamtausgabe des Bulletin ist Seite 14 gemeint - siehe obige Seitenangabe des Dokumentes)

 

04/13/20

Nationale/internationale Experten und Expertinnen zum Thema Corona/COVID-19

Die jeweilige wissenschaftliche Expertise kann durch Eigenrecherche nachvollzogen werden. Eine Verlinkung zu bestimmten Seiten wurde aus Gründen der Neutralität nicht vorgenommen.Die Informationen werden fortlaufend ergänzt.

Internationale Expertinnen und Experten:

Prof. Dr.Knut Wittkowski      
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